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Lothar Matthäus Kolumne über FC Bayern, BVB und Nationalmannschaft

Lothar Matthäus

Lothar Matthäus schreibt in seiner Kolumne, warum der FC Bayern trotz des ersten Punktverlustes Stärke gezeigt hat. Die Dortmunder Spieler nimmt der Sky Sport Experte in die Pflicht.

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Lothar Matthäus

Unterföhring, 11.11.2025

Matthäus erklärt, warum er Joshua Kimmich auch in der Nationalmannschaft im Mittelfeld einsetzen würde, und er plädiert für eine Änderung bei der Nominierung des DFB-Kaders.


Bayern zeigt trotz des Remis Stärke


Der FC Bayern hat nach zuvor 16 Siegen in Folge "nur" ein Unentschieden bei Union Berlin geholt. Sich nach dem furiosen Sieg in Paris in der Champions League wieder vollkommen auf die Bundesliga und ein Spiel an der vergleichsweisen kleineren Försterei zu fokussieren, war nicht so einfach.


Die Sinne waren vielleicht zu Beginn noch nicht scharf genug, aber die Bayern sind zweimal nach einem Rückstand zurückgekommen. Das war schon wieder ein Zeichen von Stärke.


Das Tor von Luis Diaz war Weltklasse. Es ist schön, einen Spieler zu haben, der viel für die Mannschaft arbeitet, der trifft und sich Großchancen erarbeitet. Diese müsste er allerdings noch konsequenter nutzen, aber wegen seines überragenden Treffers kann man ihm verzeihen.


Dortmunds Spieler stehen in der Pflicht


Borussia Dortmund tut sich in der Bundesliga im Spiel nach vorn schwer, anders als in den ersten drei Spielen in der Champions League. Ich glaube nicht, dass Niko Kovac seiner Mannschaft verbietet, attraktiven Fußball zu zeigen. Vielleicht liegt das Problem mehr bei den Spielern.


Deutschland macht die WM-Qualifikation perfekt


Bei der Nationalmannschaft habe ich keinerlei Bedenken, was das Toreschießen angeht. Ich bin sicher, dass die DFB-Elf in den letzten beiden Spielen des Jahres die WM-Qualifikation unter Dach und Fach bringen wird.


Die Spieler wissen, um was es geht, sie sind bereit. Die Mannschaft wird in Luxemburg und gegen die Slowakei die nötigen sechs Punkte holen und sich direkt für die WM qualifizieren.


Dass es nach vorn nicht läuft, hängt auch mit der Verletzung von Serhou Guirassy zusammen. Er hatte verschiedene Probleme und ist nicht mehr derselbe Guirassy, wie wir ihn noch vor ein paar Wochen gesehen haben.


Aber es gibt beim BVB sieben, acht weitere Profis, die sich am Spiel nach vorne beteiligen können. Es liegt an ihnen, konzentrierter und konsequenter nach vorne zu spielen, wie es sicher im Matchplan von Kovac steht.


Bei mir wäre Kimmich im DFB-Mittelfeld gesetzt


Von den starken Leistungen und dem blinden Verständnis der Münchner Profis profitiert auch die DFB-Elf.


Bei Bayern haben Joshua Kimmich und Aleksandar Pavlovic zuletzt die Doppel-Sechs gebildet. Kimmich wäre bei mir auch in der Nationalelf im Mittelfeld gesetzt. Neben ihm würde ich, je nach Gegner, Pavlovic oder Leon Goretzka einsetzen.


Zusammen mit Felix Nmecha, den ich für einen überragenden Spieler halte, und auch noch dem nicht nominierten Angelo Stiller, hätten wir mit Blick auf die WM fünf Optionen auf der Doppel-Sechs.


Kimmich ist die größte Persönlichkeit


Wir haben im Zentrum viel Qualität, aber die größte Persönlichkeit ist für mich Kimmich. Spieler wie er sollten die zentralen Positionen besetzen. So wie Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira bei der WM 2014. Pavlovic ist noch nicht so weit, dass er die Mannschaft führt. Derjenige, der im Spiel gesucht wird, ist Kimmich.


Man könnte Kimmich auch mal rüber auf die rechte Abwehrseite schieben, aber grundsätzlich sehe ich ihn auf der Doppel-Sechs. Als Rechtsverteidiger kann man auch jemanden einsetzen, der nicht so spektakulär spielt, der aber im Verein seine Hausaufgaben gemacht hat.


Das finde ich bei der DFB-Nominierung unglücklich


Man kann über Julian Nagelsmanns Nominierungen diskutieren, aber ich glaube, dass der Bundestrainer seine ersten 15, 16 Spieler im Kopf hat. Und diese Spieler sind jetzt auch dabei. Bis zur WM werden wir noch einige Überraschungen sehen, zu denen wir vielleicht viele Fragen haben werden, aber das gehört zum Geschäft dazu.


Pascal Groß, Robert Andrich und Angelo Stiller wurden nicht nominiert. Der Bundestrainer wird sich immer wieder für einen und gegen einen anderen entscheiden. Ich verstehe Nagelsmanns Erklärung, dass er Pavlovic und Nmecha auf der Sechser-Position einen Tick vor den anderen sieht und Stiller deshalb nicht dabei ist, die Tür für ihn aber nicht zu ist. Wenn er diese Erklärung am Donnerstag bei der Nominierung gleich mitgeliefert hätte, dann hätte man sich in den vergangenen Tagen viele öffentliche Diskussionen sparen können.


Unglücklich finde ich auch, dass der DFB-Kader zuletzt meistens an Tagen verkündet wurde, an denen in der Europa League gespielt wurde. Mich würde es als Verein ärgern, wenn ich Nachrichten, die für meine Spieler negativ sind, kommentieren müsste. Daher plädiere ich dafür, die Nominierungen auf den Freitag zu verlegen, wenn am Donnerstag international gespielt wird.


Ich hätte Sane nie außen vor gelassen


Zurück im DFB-Kader ist Leroy Sane. Für ihn lief es bei Galatasaray zuletzt ähnlich wie zuvor bei Bayern. Mal sah man ihn gar nicht, wie beim Spiel in Frankfurt, dann sah man wieder mehr von ihm, wie in den letzten zwei, drei Spielen.


Ich hätte Sane nie außen vor gelassen. Als Trainer muss ich dem Spieler das Vertrauen geben. Nur weil man in die Türkei wechselt, ist man doch kein schlechterer Spieler. Ich kann nicht nach der Liga urteilen, sonst müsste - provokativ gesagt - jeder, der in der Premier League spielt, einen Stammplatz in der Nationalmannschaft haben.


Die türkische Liga ist stärker als viele meinen, Galatasaray hat in dieser Saison mindestens acht Champions-League-Spiele auf höchstem Niveau, sie haben Liverpool und Ajax geschlagen. Sane musste sich in Istanbul erst einmal eingewöhnen, wie auch Florian Wirtz in Liverpool. Warum sollte man einem Wirtz Zeit geben und einem Sane nicht?


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